Wilhelm Röpke (1899-1966)

Leben

Wilhelm Röpke wurde am 10. Oktober 1899 im bäuerlichen Schwarmstedt bei Hannover geboren. Er starb am 12. Februar 1966 in Cologny-Genf in der Schweiz. Vor allem mit seiner Trilogie „Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart“ (1942), „Civitas Humana“ (1944) und „Internationale Ordnung“ (1945) beeinflusste er über mehrere Jahrzehnte die (inter)nationale wirtschafts- und gesellschaftspolitische Diskussion und insbesondere die deutschen Nachkriegspolitiker, unter ihnen Ludwig Erhard, nachhaltig.

Röpke studierte Staatswissenschaften, Jura und Volkswirtschaft in Göttingen, Tübingen und ab 1919 in Marburg, wo er sich nach der Promotion 1921 als Privatdozent der politischen Ökonomie mit „Die Konjunktur“ (1922) habilitierte. Nachdem Röpke als Experte für Reparationsfragen im Auswärtigen Amt tätig war, wurde er 1924 als 24jähriger zum damals jüngsten deutschen Professor an die Universität Jena berufen; die weiteren Stationen waren Graz (1928-1929) und Marburg (1929-1933).

Mit 31 Jahren gehörte er der Reichskommission zur Krisenbekämpfung an und schlug eine Kreditexpansion und staatliche Investitionen vor. Am 16. April 1933 erklärt er dem Rektor der Marburger Universität seinen Rücktritt von allen Ämtern in der Universitätsverwaltung, was seine unfreiwillige Entpflichtung nach Paragraph 6 des Berufsbeamtengesetzes beschleunigt haben dürfte.

Als strikter und theoretisch sowie lebenspraktisch konsequenter Gegner des Nationalsozialismus gehörte er neben Alexander Rüstow zu den wenigen nichtjüdischen Emigranten aus politischer Überzeugung. Zunächst lehrte Röpke in Istanbul, 1937 erhielt Röpke eine Professur in Genf, wo er bis zu seinem Tod wirkte. Er war verheiratet mit Eva Röpke, geborene Finke. Sie hatten drei Kinder.

 

Zum Werk

Röpke gehört neben Eucken zu den interessantesten Vertretern des Ordoliberalismus und Wegbereitern der sozialen Marktwirtschaft. Sein radikaler Liberalismus versuchte, konservative Kulturkritik und ökonomische Freiheit zu verbinden. Die Fragen der ökonomischen Ordnung, die soziale Frage, die der politischen Machtverteilung und die moralisch-anthropologische Frage wurden von ihm stets gemeinsam bedacht.

Röpkes frühe Beiträge z.B. über „Die Theorie der Kapitalbildung“ (1929), „Geld und Außenhandel“ (1925) und „Finanzwissenschaft“ (1929) decken fast alle damaligen wesentlichen ökonomischen Forschungsschwerpunkte ab. Seine Schriften waren stets bezogen auf drängende wirtschaftspolitische, universalhistorische, soziologische, demokratietheoretische und ethische Fragestellungen. Er beeindruckte durch eine prinzipiengeleitete Persönlichkeit und eine ausgeprägte ökonomische Hermeneutik, d.h. die Fähigkeit, komplexe gesamtwirtschaftliche Konstellationen zu erfassen und durch zusammenfassende Begriffe zu kondensieren, die wie sein Begriff der „Initialzündung“ in das Vokabular der Zeitgenossen eingingen.

Der wesentliche Impuls Röpkes, der sich in zusammen ungefähr 3000 Buch- und Artikelbeiträgen und Vorträgen ausdrückte, war die Suche nach einem dritten Weg neben den Alternativen des Laissez-Faire Kapitalismus und der totalitären Zentralverwaltungswirtschaft. Der dritte Weg bedeutete für Röpke: Dezentralismus, Masseneigentum, ein Kapitalismus des Kleingewerbes mit kleinbäuerlichem Einschlag, Wohnungseigentum mit Garten und ausreichende marktfreie Refugien.

Er forderte eine Vereinfachung des Lebensstils und eine Rückbesinnung auf das einfach-natürliche. Sein konservatives Leitbild und sein unbeugsamer Liberalismus mussten zu Spannungen führen, die Zielkonflikte einer sozialen Marktwirtschaft andeuten.